Schachern um den Winterstein, 2. Kapitel

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Das Vorpreschen des Bundes für die Errichtung von 6 Windkraftanlagen auf dem Winterstein hat die Kommunen Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach und Wehrheim kalt erwischt.  „Es wurde ein Bauantrag für die Errichtung von sechs Windenergieanlagen im Bundesforst auf Friedberger und Rosbacher Gemarkung gestellt, ohne dass vorher eine Abstimmung mit den Städten und Gemeinden sowie dem Hessenforst stattfand“, so der Vorwurf.

Wie die Presse am 3. November 2016 berichtet, ließ die Antwort der Gemeinden denn nicht lange auf sich warten. Deren Gegenentwurf sieht vor, auf dem Winterstein ein Natur- und Erlebnisgebiet zu schaffen. Dazu sollen Bebauungspläne aufgestellt werden – versehen mit einer Veränderungssperre für das fragliche Gebiet,  was den Plänen des Bundesforstes einen Schlag versetzen könnte.

  • Biotope sollen geschaffen werden
  • Das Wegwandernetz wird ausgebaut
  • Errichtung eines Flowtrails für Mountainbiker
  • Freihaltezonen für den Schutz des Kulturerbes Limes und der Kapersburg
Schönere  Verpackung, gleicher Inhalt         

Wer nun glaubt, dass mit dem Vorschlag der Gemeinden, den Winterstein zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Naturschutz und Naherholung zu machen, auch die  Pläne für den Bau von Windkraftanlagen in dem herrlichen Waldgebiet  vom Tisch seien, der irrt leider gewaltig. Die Pläne der Kommunen sehen nach wie vor den Bau von riesigen Windindustrieanlagen in den Wäldern des Winterstein vor (allerdings zum finanziellen Vorteil der besorgten Kommunen).

Dieser Widerspruch macht erst einmal sprachlos: Folgt man der Idee der Kommunen sind die Windkraftanlagen des Bundes pfui, die Anlagen der Städte und Gemeinden dagegen hui, nämlich natur- und menschenfreundlich. Sozusagen Perlen eines neu zu schaffenden Erholungsgebietes und Aushängeschild für gelungenen Naturschutz.

Fast könnte man dabei vergessen, dass diese Anlagen auch 200 oder mehr Meter hoch in den Himmel ragen. Dass sie riesige Waldflächen für die WKA-Standorte und deren breiten Zubringerstraßen verschlingen. Dass sie mit Infraschall und Discolicht den Anwohnern in den angrenzenden Kommunen gesundheitlich  zusetzen. Dass sie Fledermäuse, Rotmilane und andere Waldbewohner schreddern. Dass sie oft Strom liefern, wenn er nicht gebraucht wird. Dass sie oft keinen Strom liefern, wenn er gebraucht wird. Dass sie daher nicht grundlastfähig sind. Dass sie eine Kulturlandschaft opfern für ein leeres Versprechen.

Auch wenn  die Kommunen eine schönere Verpackung anbieten, der Inhalt wird dadurch nicht besser.

Für die BI-Winterstein sind daher beide Versionen der Naturzerstörung unannehmbar.

Die Presse zum Thema:

Grüne machen sich weiter stark für Windindustrie auf dem Winterstein

Auch wenn sie bei den Kommunalwahlen deutlich Stimmen eingebüßt haben und immer mehr Bürger  Windindustrie in Waldgebieten ablehnen: Die Grünen machen sich unbeirrbar stark für Naturzerstörung durch Windkraftanlagen. Sie unterstützen vehement das Vorhaben,  gigantische Windkraftanlagen mitten in den Wald des Winterstein-Höhenzuges einzubetonieren.
Frankfurter Rundschau 11.11.2016

Ringen um die Lufthoheit

Kommunen klagen, Pläne zum Bau von Windrädern am Winterstein seien mit ihnen nicht abgestimmt. Sie reagieren mit einem gemeinsamen Bebauungsplan für das Naherholungsgebiet.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2016

Vier Kommunen behaupten ihr Planungsrecht

„Durch die nicht abgestimmte Errichtung eines Windparks durch den Bundesforst werden Fakten zulasten der Naherholungsfunktion des einem Naturpark ähnlichen Wintersteins geschaffen.“
Usinger Anzeiger, 3.11.2016

Vorstoß gegen Windrad-Alleingang:
Natur- und Erholungsgebiet schaffen

Dass der Bundesforst am Winterstein sechs Windräder im Alleingang errichten will, hat die betroffenen Kommunen überrascht, verärgert – und vereint. Nun gibt es einen gemeinsamen Vorstoß – der noch weiter polarisieren könnte.
zur FNP vom 3.11.2016

Unser Artikel vom 6.9.2016:

Schachern um den Winterstein

Stürmische Zeiten kündigen sich für den Winterstein an. Gleich von zwei Seiten her wird Natur und Landschaftsbild des Ost-Taunus attackiert: Anfang Juni präsentierten die Regionalplaner ihren Entwurf für die sogenannte 2. Offenlage. Darin wird deutlich gemacht, den Winterstein trotz Naturparkstatus als Standort für Großanlagen der Windkraftindustrie freizugeben. Die im 1. Entwurf geplante Windvorrangfläche auf dem Winterstein wird dabei nicht nur deutlich größer, sondern erheblich in Richtung Wehrheim – insbesondere Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal – verschoben.

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Der 108 Meter hohe Telekom-Turm. Auf unserem Bild noch ohne die geplanten sechs mehr als doppelt so hohen Windkrafttürme (229 Meter!) in der Nachbarschaft.
Investoren im Höhenrausch

Dass der naturbelassene Anblick des bisher vom Zugriff der Windkraftindustrie verschonten Winterstein noch mehr Begehrlichkeiten wecken würde, ist denn auch kein Wunder. So stellte am 29. August 2016 eine Koblenzer Firma den Antrag beim Regierungspräsidium in Darmstadt, sechs Windindustrieanlagen auf Flächen des Bundesforstes auf dem Winterstein zu errichten. Vier Anlagen auf Ockstädter Gebiet und zwei auf Rosbacher Gemarkung. Um gleich ordentlich zur Sache zu kommen, planen die Investoren Industriebauten mit einer Rekordhöhe von 229,5 Metern, die mitten in den Wald gepflanzt werden sollen. Das ist Spitze in Sachen Windkraft und wird den bisher dominanten Fernmeldeturm auf dem Steinkopf mit seinen 105 Metern mickrig aussehen lassen.

GroesseTurmWKA

Da der „Sachliche Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) zum Regionalen Flächennutzungsplan“ noch nicht beschlossen ist, sieht die aktuelle Rechtslage immer noch vor, dass jeder Investor einen Bauantrag für eine Windkraftanlage stellen kann. Im Falle Winterstein hat sich jetzt der Koblenzer Investor erst einmal die Pole-Position im Rennen um Windkraftprofite geholt. So könnte es sein, dass die Gemeinden mit ihren Windideen nicht mehr zum Zuge kommen, da die Windvorrangflächen, auf denen ihre Pläne aufbauen, bislang nur auf dem Papier existieren.

Angst ums Geschäft

Die Planungen der Investoren kommen den Anrainerkommunen Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim ungelegen, weil Pachtzahlungen der Bund und nicht die Gemeinden einstreichen würde. Schließlich haben die Kommunen vor, selbst Kasse zu machen. Wenn man die Stellungnahmen der Gemeinden von Friedberg bis Wehrheim zum „Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien zum Windvorranggebiet (7800) Winterstein einmal studiert, finden sich dort Vorschläge, das angedachte Vorranggebiet Richtung Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal vorrücken zu lassen, vermutlich um einem befürchteten Veto der Flugsicherung vorzubeugen. Die gewünschte Neuausrichtung gen West sollte dabei möglichst nahe an das Hindernis Weltkulturerbe Limes heranreichen, um den Flächenbedarf von Windkraftinvestoren problemlos bedienen zu können. Dass dabei die Gemeinde Wehrheim in Kauf nimmt, den eigenen Bürgern in Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal die Giganten vor die Tür zu setzen, ist schlichtweg ein Skandal. Für ein paar Euros, die der Deal bringen kann, wird Lebensqualität und Gesundheit der Bewohner aufs Spiel gesetzt.

Gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung

In der Stellungnahme der Gemeinde Wehrheim zur Ausweisung der Windvorrangfläche Winterstein heißt es fordernd: „Der Abstand zum Weltkulturerbe Limes ist auf das Mindestmaß von 1.000 m oder weniger zu beschränken“. Die Stellungnehmer aus Friedberg werden noch deutlicher: „Der RV wird beauftragt zu prüfen, ob eine Verschiebung des Vorranggebietes in Richtung Westen unter Verringerung der Abstandsflächen zum Limes möglich ist…“ Diesen Stellungnahmen wurde nur allzu gern gefolgt und so präsentieren die Planer nunmehr einen Mindestabstand von sage und schreibe gerademal 200 Metern zum Weltkulturerbe Limes. Wenn diese unüberbietbare Geringschätzung nicht auf Widerstand stößt, werden die Industriegiganten am Limes in Beton gegossen und prägen fortan das bislang beschauliche Ortsbild von Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal mit dem Charme industrieller Großanlagen und nächtlich blinkender Discobeleuchtung.

Es ist festzustellen: Für mögliche Pachteinnahmen liefern die Gemeindevertreter von Wehrheim die eigenen Bürger und Bürgerinnen in Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal dem Treiben der Windkraftindustrie aus und das vor dem Hintergrund einer sowieso längst gescheiterten Energiereform, deren Kosten ins Uferlose gehen.

Die Bürger zahlen die Zeche

Die geschädigten Bewohner müssen für diese Dreistigkeit auch noch aufkommen:

  1. Mit ständig steigenden Stromkosten (ein Ende ist nicht abzusehen)
  2. Mit dem erheblichen Verlust ihrer Immobilienwerte
Windkraftanlagen beschädigen Immobilienwerte

Die Bürgerinitiative N.o.W.! Naturpark ohne Windräder in Neu-Anspach hat zu diesem Thema die Angaben eines überregional tätigen Immobilienunternehmens aufgeführt. Danach kann grundsätzlich gesagt werden, dass Objekte in direkter Nachbarschaft von überdimensional großen Industrieanlagen nicht mehr als hochwertig gelten. Es werden – so die Studie – insbesondere Einfamilienhäuser der mittleren und gehobenen Preisklasse im Wert massiv reduziert.

Mögliche Wertverluste variieren demnach je nach Entfernung zur Windkraftanlage. So ist bei einer Entfernung des Eigenheimes von 2 Kilometern zur Windkraftanlage mit 30 bis 50% Wertverlust zu rechnen. Bei 5 Kilometern sind es 10 bis 25% und bei 10 Kilometern 5 bis 10 %.

Die zu erwartenden Wertverluste der Wehrheimer Eigenheimbesitzer dürften nach dieser Rechnung in die Millionen gehen. Die „Gewinne“ der Gemeinde aus Pachteinnahmen werden dagegen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein verpuffen.

Artikel zum Thema von Prof. Dr. Michael Elicker,  Staatsrechtslehrer an der Universität des Saarlandes und Rechtsanwalt in Luxemburg:
Großwindanlagen: Entschädigungslose Enteignung des Häuslebauers

Gemeinsam sind wir stark: Bürgerinteressen bündeln

Es ist daher im Interesse aller Bürger von Wehrheim und aller anderen Anrainergemeinden rund um den Winterstein diese fatale Entwicklung zu stoppen. Dazu ist vor allem ein gemeinsames Auftreten der betroffenen Menschen notwendig. Es darf nicht dazu kommen, dass die Standortfrage für Windindustrie in den Wäldern des Winterstein dazu benutzt wird, Unfrieden zu säen. Ob die von der Politik so gewünschten Windgiganten näher Richtung Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen oder Wehrheim platziert werden sollen, darf nicht als Mittel zur Spaltung der Bevölkerung rund um den Winterstein dienen.

Das im Juni 2016 präsentierte Vorranggebiet Winterstein:

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Rot umrandetes Gebiet: Die 2014 ausgewiesene Vorrangfläche Winterstein.
Rot / Blau schraffiert: Die Anfang Juni 2016 veröffentlichte, überarbeitete Vorrangfläche Winterstein: Größer und stark Richtung Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal verschoben.
Blau schraffiert: Der Teil, der neu vorgestellten Vorrangfläche, der evtl. durch die Flugsicherung abgelehnt werden kann.
Rot schraffiert: Der Teil der neu vorgestellten Vorrangfläche, der nicht von der Flugsicherung mit einem Veto belegt werden kann.

Still und leise:

Die Koblenzer Futura Holding AG informiert die Kommunen nicht über ihre Windkraft-Vorhaben auf dem Winterstein.

„Wir waren schon überrascht“, so der Friedberger Bürgermeister Michael Keller (SPD) und spricht damit auch für seinen Rosbacher Amtskollegen Thomas Alber (parteilos) über den überraschenden, mit den Kommunen nicht abgesprochenen Antrag der Koblenzer zur Errichtung von sechs Windkraftalagen auf dem Winterstein.
Die Frankfurter Rundschau berichtet.

Quelle: Grafik vom Regionalverband FrankfurtRheinMain
Fotomontage Fernmeldeturm auf dem Steinkopf mit WKA: A. Funke

 

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